Die 91. Oscarverleihung – ein Jahr der starken Filme

Man kann über die Oscars denken, wie man will, aber sobald die Nominierungen im Januar bekannt werden, bietet sich Filmfans die perfekte Gelegenheit in Erinnerungen an die Kinohits des Vorjahres zu schwelgen. 2018 brachte uns einige starke Werke und so darf man mit Spannung auf den 24. Februar warten, wenn es im Dolby Theatre in Los Angeles wieder heißt „And the winner is…“.

Lady Gaga 32 und Bradley Cooper 44 bei der Film Premiere von 'A Star Is Born' in Los Angeles.

 

Alles wie immer?

Nein, 2019 hat man sich für einige Änderungen entschlossen (aber keine Sorge, der rote Teppich bleibt selbstverständlich dabei). Natürlich wird das Event wie jedes Jahr live übertragen werden, aber dennoch werden die 91. Academy Awards etwas anders ablaufen als bisherige Verleihungen. Die Einschaltquoten sind bekanntlich über die letzten Jahre immer schlechter geworden und wie jeder Veranstalter müssen auch die Produzenten der Oscarverleihung darauf reagieren.

Die Preisverleihung wird nun also auf drei Stunden reduziert werden und einige Preise sollen wohl auch in Werbepausen überreicht werden. Ob diese Maßnahmen ausreichen um mehr Fernsehzuschauer zu locken wird sich zeigen, aber das Event strammer zu organisieren ist bestimmt keine schlechte Idee und manchmal hilft ja auch der ein oder andere Skandal dabei, die Einschaltquoten wiederzubeleben.

Den gab es mittlerweile nämlich auch schon. Während die Oscar Verleihungen bisher von unterschiedlichen Komikern moderiert wurden (letztes Jahr beispielsweise Jimmy Kimmel), wird die diesjährige Verleihung womöglich ohne einen Moderator durchgeführt werden.

Geplant war dies zwar so nicht, denn der Komiker und Schauspieler Kevin Hart hätte die Moderation eigentlich übernehmen sollen. Er trat allerdings zurück nachdem Kritik aufgrund einiger homophober Aussagen aufkam. Ob die Veranstaltung wirklich ganz ohne Moderator ablaufen muss, ist natürlich fraglich, denn genug Interessenten gibt es ja sicherlich.


Die Favoriten

Sowohl „Roma“ als auch „The Favourite” haben jeweils zehn Nominierungen bekommen und lassen die Konkurrenz somit ein gutes Stück hinter sich zurück. Dicht gefolgt werden die beiden Spitzenreiter von „A Star is Born” und „Vice – Der zweite Mann“, die jeweils acht Nominierungen erreicht haben.

Bis auf „Vice“ prämierten diese Favoriten alle bei den Filmfestspielen in Venedig. Alle Filme sind unglaublich gut gemacht und von der Thematik her unterscheiden sie sich alle so stark, dass die Wahl dem Gremium bestimmt nicht leichtfallen wird.


Bester Film

Wie bereits gesagt bescherte uns 2018 einige sehr gute Filme und so ist diese Kategorie dieses Jahr unglaublich interessant. Zum einen ist „Green Book – Eine besondere Freundschaft“ nominiert. Viggo Mortensen brilliert in Peter Farrellys Drama in einer extravaganten Rolle in einem Film, der Humor auch in dramatischen Szenen erfolgreich einbaut.

Auch „Roma“ und „The Favourite“ sind für den besten Film vorgeschlagen. „Roma“ thematisiert einige heftige Themen, unter anderem Klassenunterschiede und Gewalt. Bei „Roma“ geht es definitiv weniger um Unterhaltung als Erkenntnis, denn manchmal hat man beim Gucken fast das Gefühl, es handele sich dabei um eine Dokumentation.

„The Favourite“ dagegen ist ein Historienfilm und, wie es heutzutage modern ist, gibt es darin Rivalinnen, die vor nichts zurückschrecken, aber dennoch nicht durch und durch böse sind. Diese
Grauzonen machen den Film interessant, genau wie Olivia Colman’s Darstellung der unfähigen
Königin Anne.

„A Star is born“, eine Neuverfilmung des Klassikers „Ein Stern geht auf“ (1937), ist Bradley Coopers
Regiedebüt. Im Gegensatz zu den anderen Nominierungen hat der Musikfilm eine positive
Grundstimmung und die Musikeinlagen sind wie für Lady Gagas Stimme wie gemacht.
Auch „Bohemian Rhapsody“ dreht sich natürlich ganz um Musik. Das biografische Filmdrama dreht
sich um die Legende Freddie Mercury und hat bei den Golden Globes bereits den Preis für den
besten Film gewonnen.

„Vice – Der zweite Mann“ ist ebenfalls eine Filmbiografie, die den Werdegang Dick Cheneys darstellt.
In den USA kam der Film erst an Weihnachten in die Kinos, hier in Deutschland muss man sich noch
bis Februar gedulden, aber auch außerhalb der Oscars hat der Film zahlreiche Nominierungen
eingesammelt.

Spike Lee’s „BlacKkKlansman“ ist ebenfalls ein politischer Film, der gleichzeitig urkomisch, aber auch
wütend an das Thema Rassismus und Diskriminierung heran geht.

Selbst das Superheldengenre ist durch „Black Panther“ in der Kategorie bester Film vertreten. In den
USA brach der Film die Vorverkaufsrekorde für das Genre und war durch die Gesellschaft erfolgreich,
was gerade in unserem doch sehr gespaltenen Zeitalter für den Film spricht.


Bester Hauptdarsteller und beste Hauptdarstellerin

Wie so oft überschneiden sich die Nominierungen in diesen beiden Kategorien etwas mit den besten
Filmen, denn die Qualität eines Films steht und fällt zu einem bedeutenden Teil mit den
SchauspielerInnen.

Willem Dafoe ist für die Darstellung Vincent van Goghs in „At Eternity’s Gate“ nominiert, was kaum
verwundert, denn er hat van Gogh’s dunkle Stimmung perfekt wiedergegeben. Bei den
Internationalen Filmfestspielen in Venedig hat Dafoe bereits die Auszeichnung erhalten. Man kann
also gespannt sein, ob er dies mit einem Oscar abrunden wird.

Viggo Mortensens Auftritt in „Green Book“ hat ebenso die Nominierung verdient wie Bradley
Coopers in „A Star is Born“. Rami Malek, der in „Bohemian Rhapsody“ Freddie Mercury so
überzeugend darstellte, ist ebenfalls nominiert.

Unter den Hauptdarstellerinnen überraschte Lady Gaga sicherlich viele Zuschauer, denn oft sind die
Erwartungen an Prominente, die den Seitenschritt ins Schauspiel wagen, ja eher niedrig gehalten. Für
Yalitza Aparicio, die die Hausangestellte Cleo in „Roma“ spielte, war es ihre erste Filmrolle für die
auch für andere Preise nominiert wurde.

Die britische Schauspielerin Olivia Colman ist für ihre Rolle der Königin Anne in „The Favourite“
ebenfalls nominiert. Sie stellt die Stimmungsschwankungen ihrer Rolle außergewöhnlich gut da und
hat in dem Film eine unglaubliche Präsenz.

Auch Melissa McCarthy, die in „Can you ever forgive me?” die Hauptrolle Lee Israel spielt, stellt eine
tragikomische Heldin dar, allerdings müssen wir uns in Deutschland noch bis Februar gedulden bis
der Film in die Kinos kommt.

Zu guter Letzt hat auch die wunderbare Glenn Close für „Die Frau des Nobelpresiträgers“ eine
Nominierung erhalten. Close hat über ihre Karriere bereits mehrere Oscarnominierungen erhalten
und ihr Talent wurde bereits so oft mit Preisen belohnt, dass man ihr den Oscar dieses Jahr durchaus
gönnen würde.


Bester fremdsprachiger Film

Man kann darüber natürlich debattieren, aber die Filme in dieser Kategorie sind für gewöhnlich
herausragende Werke. Insgesamt wurden 87 Filme für die Auswahl in Erwägung gezogen, aber
letztlich wurden fünf internationale Filme nominiert – darunter natürlich wieder der mexikanische
Film „Roma“. Aber auch Deutschland ist dieses Jahr mal wieder vertreten und zwar mit Florian
Henckel von Donnersmarcks Film „Werk ohne Autor“.


Bester Filmsong

Auch hier finden sich zwei der „besten“ Filme wieder. Hier konkurriert „Black Panther“ mit dem Lied
„All the Stars“ wieder mit „A Star is Born“. „Shallow“, gesunden von Lady Gaga, ist ein großartiges
Lied, und könnte für „All the Stars“ das sein, was „I will always love you“ für „Bodyguard“ ist.

Aber auch „The Place Where Lost Things Go“ aus „Mary Poppins‘ Rückkehr”, „I’ll Fight” aus “RBG –
Ein Leben für Gerechtigkeit“ und „When A Cowboy Trades His Spurs For Wings“ aus „The Ballad of
Buster Scruggs“ sind nominiert.

Auch wenn sich Filmfans über die Oscars nicht einig sind, so bieten die Nominierungen doch immer
wieder Tipps, welche Filme des Vorjahres man sich vielleicht doch noch mal ansehen sollte – und
wenn man mit den Nominierungen der Academy so gar nicht einverstanden ist, bietet sich dies als
perfektes Gesprächsthema während der Übertragung selbst an.

Titelbild Quelle 123.rf